Moderne Absturzsicherungen für Bestandsgebäude

Flachdach nachrüsten

Flachdächer sind praktische Arbeits- und Wartungsflächen – doch gerade bei älteren Gebäuden entsprechen viele Dachbereiche nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards. Technikzentralen, Lüftungsanlagen oder Photovoltaik werden regelmäßig gewartet, häufig von externen Dienstleistern. Wo früher kaum jemand das Dach betrat, findet heute kontinuierlicher Betrieb statt. Damit wächst die Verantwortung: Bestandsdächer müssen heutigen Anforderungen an den Arbeitsschutz entsprechen – auch nachträglich.

Dieser Beitrag zeigt, welche Lösungen sich zum Nachrüsten eignen, welche gesetzlichen Vorgaben greifen und wie Betreiber ein sicheres, dauerhaft funktionsfähiges System für ihr Gebäude schaffen.

Warum Bestandsdächer oft nachgerüstet werden müssen

Bei älteren Gebäuden wurde der Arbeitsschutz häufig nicht mitgeplant. Typische Gründe für Nachrüstbedarf sind:

Zudem gelten seit Jahren klarere und strengere Regelwerke wie DGUV 101-014, TRBS 2121 oder das Arbeitsschutzgesetz. Sobald Personen das Dach betreten müssen, entsteht die Pflicht zur Absturzsicherung – unabhängig vom Baujahr.

Die gesetzlichen Grundlagen – kurz erklärt

Auch Bestandsdächer unterliegen heutigen Arbeitsschutzanforderungen. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern das Risiko.
Ein Auszug aus den Anforderungen:
DGUV Regel 101-014: Ab 2 Metern Absturzhöhe besteht Sicherungspflicht.
ArbSchG: Gefährdungen müssen vermieden werden; kollektive Maßnahmen haben Vorrang.
TRBS 2121: Technische Regeln, die konkrete Anforderungen an Planung, Zugang und Sicherung definieren.

Für Betreiber bedeutet das konkret, dass jedes Dach, das regelmäßig begangen wird, eine normgerechte Sicherung braucht – unabhängig vom Alter der Immobilie.

Welche Absturzsicherungen sich besonders gut nachrüsten lassen

Nicht jedes Bestandsdach erlaubt eine identische Lösung. Moderne Systeme sind jedoch so flexibel, dass sie sich auf nahezu allen Dachaufbauten installieren lassen – häufig ohne Eingriff in die Dachabdichtung.

1. Selbsttragende Dachgeländer – Kollektivschutz ohne Dachdurchdringung
Sie gehören zu den am häufigsten nachgerüsteten Systemen.
Vorteile:

  • keine Durchdringung der Dachhaut
  • schnelle Montage
  • wirkt als permanente Absturzsicherung
  • ideal für Wartungsdächer, Bürogebäude, Industriehallen

Selbsttragende Geländer eignen sich besonders, wenn regelmäßige Wartungsgänge notwendig sind oder mehrere Firmen Zugang benötigen.

2. Temporäre Schutzgeländer – flexibel für punktuelle Einsätze
Für Gebäude, die nur selten betreten werden oder bei denen langfristige bauliche Anpassungen nicht gewünscht sind, bieten temporäre Geländer eine gute Alternative.
Sie werden gezielt für Arbeiten montiert und nach Abschluss wieder entfernt.

Typische Einsatzbereiche:

  • Inspektionsarbeiten
  • Sanierungen
  • punktuelle Prüfungen
  • kurzzeitige Dachnutzung

3. Lichtkuppelsicherungen – Schutz vor einer häufig unterschätzten Gefahr
Ungesicherte Lichtkuppeln zählen zu den größten Durchsturzrisiken auf Flachdächern. Besonders bei älteren Oberlichtern besteht dringender Handlungsbedarf.

Geeignete Nachrüstsysteme sind:

  • Umwehrungen, die die Kuppel vollständig einrahmen
  • Durchsturzsicherungsnetze aus Stahl
  • Aufsatzgeländer, die ohne Durchdringung montiert werden können

Diese Lösungen lassen sich in der Regel schnell installieren und erfüllen die relevanten Normen.

4. Steigleitern und Dachüberstiege – Zugang sicher gestalten
Auch der Weg zum Dach muss sicher sein. Bei vielen älteren Gebäuden entsprechen Steigleitern nicht mehr den aktuellen Vorgaben oder fehlen vollständig.

Moderne Nachrüstsysteme bieten:

  • Rückenschutzkörbe nach aktueller Norm
  • Podeste und Überstiege
  • Sichere Austritte auf das Flachdach
  • Korrosionsbeständige Materialien

Ein normgerechter Zugang ist Pflicht, sobald das Dach regelmäßig begangen wird.

5. Laufwege – sichere Bewegung auf großen Flächen
Wenn viele Bauteile verteilt auf dem Dach liegen (Klimageräte, Solarwechselrichter, Lüftungstechnik), sind definierte Wege notwendig. Sie strukturieren das Dach und reduzieren Risiken beim Begehen.

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Wie läuft ein professionelles Nachrüstprojekt ab?

Ein nachträgliches Sicherungskonzept entsteht in mehreren Schritten:

  1. Bestandsaufnahme und Gefährdungsanalyse
    Dazu gehören Dachaufbau, Nutzungshäufigkeit, technische Einrichtungen und statische Rahmenbedingungen.
  2. Systemauswahl
    Je nach Risiko und baulichen Möglichkeiten: Geländer, Lichtkuppelsicherung, Wege, Leitern oder kombinierte Lösungen.
  3. Montageplanung
    Hier wird geprüft, ob ballastierte oder befestigte Systeme sinnvoll sind und wie Eingriffe in die Dachhaut vermieden werden können.
  4. Normgerechte Installation
    Eine fachgerechte Umsetzung ist entscheidend für spätere Prüfungen und die Rechtssicherheit.
  5. Jährliche Prüfung und Wartung
    Absturzsicherungen müssen regelmäßig nach DGUV geprüft werden – das gilt auch für nachgerüstete Anlagen.

Worauf Betreiber bei der Nachrüstung achten sollten

  • Kollektivschutz priorisieren: Immer erste Wahl, da er mehrere Personen gleichzeitig schützt.
  • Dachdurchdringung vermeiden: Ballastierte Systeme schonen die Abdichtung.
  • Auf flexible Lösungen achten: Besonders wichtig bei Bestandsbauten mit statischen Einschränkungen.
  • Dokumentation einfordern: Für Versicherer und Behörden notwendig.
  • Regelmäßige Prüfung einplanen: Sicherheit ist ein fortlaufender Prozess.

Fazit: Die meisten Flachdächer lassen sich problemlos nachrüsten

Moderne Absturzsicherungen sind so flexibel konzipiert, dass sie auch auf älteren Gebäuden zuverlässig funktionieren. Ob Dachgeländer, Lichtkuppelsicherung oder Steigleiter – für nahezu jede Situation gibt es normgerechte Nachrüstlösungen. Entscheidend sind eine professionelle Bestandsaufnahme, eine durchdachte Systemauswahl und die regelmäßige Wartung.

So wird aus einem Bestandsdach eine dauerhaft sichere Arbeitsfläche, die heutigen Standards entspricht – ohne große Eingriffe in die bestehende Bausubstanz.

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